Antiziganismus im Fußball und in Fußball-Fankulturen

Fans rufen „Zick, Zack, Zigeunerpack!“, beschimpfen den anderen Verein und  seine Fans als „Zigeuner“. Bei allem Engagement gegen Diskriminierung von  Fans, Vereinen und Verbänden sind dies nach wie vor alltägliche Phänomene in  und um die Stadien. Die Sensibilisierung und Wahrnehmung für  antiziganistische Vorfälle ist äußerst gering – eine Problematisierung bleibt   zumeist aus. Dabei ist Antiziganismus ein weit verbreitetes Ressentiment: 2006  gaben in einer Repräsentativumfrage des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma  mehr als drei Viertel der befragten Sinti und Roma an, schon häufiger  diskriminiert worden zu sein. Laut einer aktuellen Studie stimmen mehr als die  Hälfte der Deutschen antiziganistischen Aussagen zu. Pavel Brunßen  thematisiert in diesem Vortrag, wie Antiziganismus in und um die Fußballstadien auftritt und wahrgenommen wird, welche Funktion Antiziganismus in der Gesellschaft innehat und ob es eine Spezifik des Antiziganismus im Kontext  Fußball gibt.

 Pavel Brunßen ist wissenschaftlicher und journalistischer Autor für Zeitungen und Magazine wie Ballesterer, FFussball, Weser Kurier, Jungle World, Das Parlament oder den Sammelband „Zurück am Tatort Stadion“. Seine  Arbeitsschwerpunkte sind Diskriminierung und Antidiskriminierung in Fußball-Fankulturen sowie Antisemitismus und Antiziganismus. Er ist seit 2012 Herausgeber und Chefredakteur des Transparent Magazins.

Fußball mehr als nur Sport?

Der Spruch „Fußball ist unser Leben“ zeigt eindrücklich die Bedeutung dieses Sportes in der heutigen Gesellschaft auf. Nicht nur das Wochenende vieler Menschen wird durch Fußball geprägt, auch im Alltag ist Fußball u.a. durch Werbung, Nachrichten oder den Sportteil der Tageszeitung mehr als nur präsent, er ist allgegenwärtig.

In der Veranstaltung soll es darum gehen, welche Geschichte der Fußball in Deutschland in den letzten 150 Jahren gespielt hat. Zum einen wird es einen historischen Rückgriff von der Zeit des Kaiserreichs bis zum Nationalsozialismus mit Focus auf die Geschichte des DFBs geben. Zum anderen soll die kritische Auseinandersetzung mit Fans und Ultras im Allgemeinen, und ihrem scheinbaren agieren gegen kulturindustrielle (Unter-)Ordnung des Fußball in der Totalität der kapitalistischen Verwertungslogik im Besonderen, Bestandteil der Veranstaltung sein.

Dabei soll sich der Frage gewidmet werden, warum gerade im Fußball gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit scheinbar zur Normalität gehört, warum sich in der Masse von Fans eine Stimmung entwickeln kann, in der jede Hemmung des Alltags abgeschüttelt wird und was das alles mit der Geschichte und den gesellschaftlichen Implikationen des Rasenballsportes zu tun hat.

*Der Referent **Thadeus Mainka** ist Lehrbeauftragter an der TU Braunschweig und hält Lehrveranstaltungen zu den Themen Fußball in der Moderne und  ntisemitismustheorie der Frankfurter Schule.*

Rassismus im Fußball – Historisch und Aktuell

Lange Zeit galten Fußballstadien für die politische Linke in
Deutschland als verlorenes Terrain. Auf den Rängen hatten viele Fans, verstärkt durch das Aufkommen der Hooligan-Bewegung in den 1980er Jahren,  chauvinistische und nationalistische Einstellungen eingenommen. Fußballfans nahmen eine problematische Rolle in politischen Konflikten ein, das Handeln einiger Hooligangruppen war im Sinne neonazistischer Bewegungen. Nachdem Ultras um die Jahrtausendwende herum ein durch die Hooligan-Kultur hinterlassenes Vakuum auf den Stehplatzrängen gefüllt hatten, gab es in vielen Stadien einen politischen Klimawandel: Viele Ultragruppen engagieren sich bis heute gegen Rassismus und Homophobie.  In den letzten Jahren ist jedoch ein öffentlichkeitswirksames Sendungsbewusstsein der Hooligankultur festzustellen, die sonst auf konspirative Strukturen wert legt. Ein Teil der Subkultur beteiligte
sich aktiv am Rechtsruck in der Gesellschaft – in und um Stadien.  Der Vortrag ordnet diese Gegensätze historisch und politisch ein.

Schwule Fotzen?!

 

Obwohl Gleichberechtigung heute kein Fremdwort mehr ist, viele Frauen und Queers ihren Platz im Stadion scheinbar gefunden haben, zeigt sich oft genug ein anderes Bild: Der Vortrag wird sich anhand verschiedener Beispiele mit der Problematik von Sexismus und Homophobie im Fußball- und Stadionkontext beschäftigen. Es wird den Fragen nachgegangen, in welcher Form Frauen an unterschiedlichsten Standpunkten mit Vorurteilen und Abwertungen begegnet wird, wie und warum aber auch gegnerischen Fans, Teams oder Schiris gerne sexistische und homophobe Sprüche an den Kopf geknallt werden. Was das alles mit gesellschaftlichen Bildern von Geschlecht zu tun hat und welche Möglichkeiten Fans bereits gefunden haben, um Beleidigungen, Abwertungen und einem unangenehmen Klima entgegenzuwirken, wird an diesem Abend herausgearbeitet.

Selbstverständnis

Durch den nicht nur momentanen rassistischen Konsens in und außerhalb der BRD, der bis weit in die so oft als „bürgerliche Mitte“ betitelten Bevölkerung hineinreicht, sind wir als politischer Zusammenschluss der Meinung, dass eine radikale Veränderung längst fällig ist. Wie bereits empirisch gezeigt wurde, reicht es nicht nur Texte zu schreiben. Antifaschistische Arbeit darf sich nicht nur in Buchstaben und Worten ausdrücken, sondern benötigt ebenso einen gewissen praktischen Ansatz. Radikal bedeutet dabei aber nicht zwangsläufig das Ausüben von Straftaten und Gewalt. Darunter gilt es zu verstehen, dass wir uns kompromisslos von den rassistischen Strukturen und seiner bürgerlichen Mitte abgrenzen. Durch die offizielle Extremismus-Theorie werden Menschen und Gruppen, die sich politisch stark für Geflüchtete engagieren, sowie den Kapitalismus kritisieren, als extremistisch abweichend der bürgerlichen Mitte gesehen und kriminalisiert. Nicht nur auf Demonstrationen werden Antifaschist_Innen durch den Staat mit diversen Repressalien überzogen. Aktive sowie passive Gewalt durch Polizist_Innen und Verfassungschützer_Innen sind dabei zu einer Art Normalzustand geworden. Oft sucht der Staat die Schuld bei Antifaschist_Innen. Faschist_Innen werden hingegen sogar vom Staat gedeckt, geschützt und finanziert, wie es klar am Beispiel NSU zu erkennen ist.

Die offensichtlich widerwertigen Zustände, die für geflüchtete Menschen herrschen, resultieren dabei unter anderem aus den kapitalistischen Grundprinzipien, die – weltweit – Wirtschaft und Leben bestimmen. Dabei scheint der Kapitalismus für die westliche Welt oftmals als ein Segen. Außer Acht gelassen wird dabei jedoch, dass das Leid, welches durch die Ausbeutung Anderer entsteht, unseren Wohlstand finzanziert. Es darf nicht vergessen werden, dass wir die wenigen Priviligierten sind, die die Sonnenseite des Kapitalismus genießen.

Auch von Sexismus und sexistischen Grundstrukturen grenzen wir uns ab. Sexismus ist scharf zu kritisieren und wird von uns politisch thematisiert und bekämpft. Auch in vermeintlich linken Kreisen ist Mackertum weit verbreitet und wird als solches nicht einmal erkannt. In letzter Zeit erreicht das Mackertum eine neue Stufe. Vermehrt nutzen Antifaschist_Innen, besonders männliche, Ausdrücke wie z.B. „Mach dich gerade“ und profilieren sich mit Muskelmasse sowie „Stabilität“, um ihrer vermeintlichen Überlegenheit Ausdruck zu verleihen. Hierbei ist ihnen nicht ansatzweise bewusst, wie albern und naiv ihr Verhalten ist.

Antisemitismus ist leider weiterhin ein Teil der Gesellschaft, doch rückte der Fokus auf diesen, trotz der massiven Anwesenheit, bedauerlicherweise in den Hintergrund. Damals wie heute wird „Jude“ in einigen Teilen unserer Gesellschaft als Beleidigung verwendet und ist in vielen Wortschätzen ohne jegliche Reflektion fest verankert. Gerade wegen der Geschichte der BRD gilt es den alltäglichen Antisemitismus zu bekämpfen und deutlich zu verurteilen. Es ist und bleibt notwendig radikal gegen diese Form von Faschismus vorzugehen – jegliche antisemitische Strukturen gehören zerschlagen!

Die unmenschlichen Zustände, welche aktuell in Deutschland, Europa und der ganzen Welt herrschen, zwingen uns dazu unsere politische Arbeit als einen radikalen Vorstoß zu konzipieren! Dies stellt den Versuch dar, Gesellschaft, Staat und System zum gerechteren zu wenden.